Dank GlücksSpirale fördert die Denkmalstiftung den „Alten Zoll“ in Geislingen

Artikel eingestellt am 20. September 2016

Stuttgart / Geislingen – Einst haben im „Alten Zoll“ die Zollbeamten des Ulmer Zolls gewohnt, jetzt plant die Stadt Geislingen, in dem stattlichen Fachwerkgebäude das Bürgeramt unterzubringen. Doch zuvor ist eine aufwändige Sanierung des prächtigen Baus nötig. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert die Fassadeninstandsetzung jetzt mit 100.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

Aus Sicht des Denkmalschutzes gilt das historische Gebäude im Herzen der Altstadt als eindrucksvolles Zeugnis mittelalterlicher Holzbaukunst. 1495 wurde der „Alte Zoll“ anstelle eines früheren Zollgebäudes der Grafen von Helfenstein erbaut, die die Stadt als Zollstation zur Sicherung des wichtigen Albaufstiegs im Rohrbachtal gegründet hatten.

Das Fachwerk des „Alten Zolls“ wird als „Oberdeutsches Fachwerk“ bezeichnet. Fünf Fachwerkgeschosse, davon drei unter einem Krüppelwalmdach, verleihen dem Gebäude eine imposante Größe. Während im Erdgeschoss einst die Zollbeamten wohnten, wurden die anderen Teile des Alten Zollhauses als Fruchtkasten verwendet. In dem Speicher wurden die eingehenden „Zehnten und Gülten“ – die Steuern und Pachtzinsen -, die an die Untere Herrschaft in Ulm abzuführen waren, aufbewahrt. Davon zeugt noch heute die ausladende mehrgeschossige Aufzugsgaube an der Längsseite des Gebäudes.

2012 hat die Stadt Geislingen das Kulturdenkmal von den Privateigentümern erworben und sich dazu entschlossen, das Gebäude öffentlich zu nutzen. Dazu wurde ein Raumprogramm für ein vielseitig genutztes Bürgerhaus entwickelt. „Die Gesamtinstandsetzung ist eine gewaltige Aufgabe, denn das Gebäude gehört nicht nur zu den ältesten Fachwerkbauten Geislingens, sondern auch zu den renovierungsbedürftigsten. Der Putz bröckelt, das Holz muss neu gestrichen werden, schadhafte Fachwerkhölzer müssen ausgetauscht und das abgefaulte Auflageholz des Aufzugsgiebels muss ersetzt werden“, sagte Dr.-Ing. Eckard Rosenberger, Mitglied im Vorstand der Denkmalstiftung Baden-Württemberg bei der Übergabe des Zuwendungsvertrages.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt das Bestreben der Stadt Geislingen, dieses wertvolle Kulturdenkmal zu sanieren und zu sichern. Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Stiftung mit Sitz in Stuttgart insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

39 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts allein im Jahr 2015 unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie annähernd 1.400 Vorhaben gefördert, um Bauwerke vor dem Verfall zu retten. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Peter Lecjaks, Geislingen