Gewusst wo? Denkmale im Land Nr.: 2/2016

Artikel eingestellt am 1. Juni 2016

denkmalraetsel_2-2016Unser gesuchter Architekt bildet mit seinem Lehrmeister zusammen die bedeutsamste historistische Baumeistereinheit des Landes. Beide haben ihre Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachhaltig geprägt – in zwei unterschiedlichen Stilen. Der eine, der Lehrer, war ein überzeugter „Grieche“. Er baute antik mit Säulen und Tympanon, wobei das Markenzeichenfür seine vielen repräsentativen Gebäude die sechsbis achtsäuligen Schaufassaden mit ionischem oderkorinthischem Kapitell waren. Der gesuchte Schüler allerdings wendet sich exakt in der Mitte des 19. Jahrhunderts radikal von seinen akademischen und konfessionellen Prägungen ab. Er verlässt – intellektuell – den „Überlehrer“ und wendet sich der frühchristlichen Architektur zu, entdeckt so den Rundbogenstil, als dessen Vollender er fortan gilt. Konsequent das Urchristentum im Sinn, wechselt er auch die Konfession und konvertiert, aus einem streng protestantischen Milieu herkommend, zum Katholizismus.

Das erinnert an die (übrigens nahen) Heidelberger Romantiker, die sich nach einem vorreformatorisch-katholischen Deutschland zurücksehnten. Unser gesuchter Architekt hat so einen (wichtigen) chronologischen Schritt getan aus der heidnischen Antike hinein ins frühchristliche Abendland und darüber auch eine wichtige bautheoretische Schrift verfasst, ein essayistisches Manifest zur romantischen Baukunst in Deutschland, für die er augenfällige, bewundernswerte Beispiele gerade im profanen Bereich hinterlassen hat, in seinem „Styl“: Runde Bögen natürlich und Fassaden mit Terra-Cotta-Verkleidungen; er erweist sich auch als Meister der Fassadenkunst, worin er sich wieder von seinem großen Lehrer unterschieden hat, der die glatte, meist weiße Putzfassade bevorzugte. Auf unserem Bild kommen die genannten Besonderheiten des gesuchten Architekten deutlich zum Vorschein: Rundbögen, differenzierte Fasadenverkleidung, aber als kleine Reminiszenz an den Lehrer eine antik-römische Kuppel à la Pantheon.

Gefragt war nach der Orangerie, die im westlich vom Karlsruher Schloss gelegenen Botanischen Garten steht.
Das markante Kuppelgebäude wurde vom Weinbrenner-Schüler Heinrich Hübsch von 1853 bis 1858 erbaut. Beide Architektengrößen haben die Fächerstadt nach dem Bau des Schlosses entscheidend
geprägt.

Unsere Fragen richtig beantwortet haben: Bernd Bücker, 71720 Oberstenfeld; Paul De Vooght, 71134 Aidlingen; Helena Jansen, 71634 Ludwigsburg; Dr. Martin Jesper, 74523 Schwäbisch Hall; Dr. Jürgen Röter, 73312 Geislingen.