Gewusst wo? Denkmale im Land Nr.: 3/2016

Artikel eingestellt am 26. August 2016

denkmalraetsel-gewssut-woSie sind der letzte Rest einer sonst Wahn gebliebe­nen Welthauptstadt. 1936 bestellt und nie abgeholt, sollten diese 14 Monumente das Untergeschoss eines Denkmals für einen befreundeten Diktator tragen. Nachdem die Welt­stadt-Pläne in den grau­samen Realitäten unter­gegangen waren, blieben die Säulen bis heute am Auslieferungsort, wo sie auf ein dahinter liegendes Steinbruchgelände verwei­sen, in dem dieser auch an Fossilien reiche Werkstoff weiterhin abgebaut wird.

Zu den herausragenden Funden dort gehören dabei versteinerte Panzer von Sumpfschildkröten oder auch Knochen und Zähne längst ausgestorbener Säugetiere; Petrefakte, die in einem weithin bekannten, nahe gelegenen Naturkun­demuseum, bestaunt werden können. Die nun zu erra­tenden zeithistorischen „Fossilien“ wurden, nachdem der Welthauptstadt-Ort in Schutt und Asche gefallen war, von der Herstellerfirma zurückgekauft. Vor der stehen sie nun mit ihrem einfachen Abakus (quadrati­sche Platte) als oberem Säulenabschluss – neben einer durch hohe schlanke Schornsteine ausgewiesenen Müllverbrennungsanlage. Das gab schon immer An­lass zu Assoziationen, ob denn auch diese Säulen nicht endlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehörten?

Für den Bauhistoriker natürlich keinesfalls! Anderer­seits schaudert’s ihn bei dem Gedanken, dass nach Vorschlägen aus der Ortsarchitektenschaft diese Relik­te auf dem Hauptplatz der Stadt hätten aufgestellt werden sollen. Auch das gewiss nicht! Dort, wo sie stehen, sollen sie auch bleiben, zwischen futuristisch anmutenden Müllverbrennungsvorrichtungen und prähistorischen Fundstätten.

Auf diese Säulen als Mahnmal einstigen Größenwahns trifft man ganz unverhofft beim Kraftwerk Münster in Stuttgart, wenn man die Neckartalstraße entlang fährt.
Der gelbliche Cannstatter Travertin wurde einst hier abgebaut.
Heute ein etwas seltsames, aber einprägsames Denkmal. Eigentlich waren sie für eine Mussolini-Gedenkstätte in Nürnberg gedacht.

Gewusst und ein Buch gewonnen haben: Dietmar Clapier, 72593 Pfronstetten; Renate Fuss, 76149 Karlsruhe; Klaus Fischer, 70378 Stuttgart; Gerold Greiff , 76351 Linkenheim; Jürgen Oberzig, 73734 Esslingen.