50.000 Euro für die Freie Hochschule Stuttgart: Villa der Reformarchitektur wird saniert – Denkmalstiftung hilft mit Mitteln der Lotterie GlücksSpirale

Artikel eingestellt am 17. Dezember 2019

Stuttgart – Die Villa in der Stuttgarter Libanonstraße 3 ist ein hochwertiger Vertreter der deutschen Reformarchitektur und baulicher Zeuge des Aufbruchs in die Moderne. Mehr als 100 Jahre alt ist sie jetzt. Nun ist eine Dach- und Fassadensanierung nötig geworden. Das unterstützt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit 50.000 Euro dank Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

1913 vom Stuttgarter Architekten Albert Eitel (1866-1934) erbaut, wird die dreigeschossige Villa heute als Wohnhaus, Waldorfkindergarten und für Dozentenbüros genutzt. Auffallend ist, dass der Architekt damals komplett auf Dekorelemente historischer Baustile oder des Jugendstils verzichtet hat und stattdessen funktionale Elemente des Gebäudes wie Aussichtserker, feinsprossige Fenster und Klappläden für die Fassadengestaltung genutzt hat. Mit diesem damals äußerst progressiven Wohnbau hat sich Eitel zweifelsfrei als Vertreter der Reformarchitekturbewegung zu erkennen gegeben, die kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges von ihrem wichtigsten Wegbereiter, Hermann Muthesius,  praktiziert und propagiert wurde.

Restauriert werden sollen nun verschiedene Ausstattungsdetails der Fassade des Wohnhauses – Sprossenfenster, Kunststeinfensterbänke und  Ziergitter der Blumenbänke an den Fenstern der Vorbauten. Der strukturierte Naturputz wird ebenso instand gesetzt wie die bauzeitlichen Fenster.

„Eine Restaurierung, die die originalen Architekturelemente in ihrer Substanz erhält, ist extrem wichtig für dieses herausragende Dokument der Reformarchitektur Stuttgarter Schule“, sagte Annika Ahrens, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg bei der Übergabe des Zuwendungsvertrages an den Verein zur Förderung der Freien Hochschule Stuttgart e. V.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

55 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bisher in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen.

Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Dipl.-Ing. Harald Boecker, Stuttgart