Blumhardt-Friedhof in Bad Boll wird saniert – Denkmalstiftung unterstützt Instandsetzung der Grabmale

Artikel eingestellt am 16. September 2019

Stuttgart/Bad Boll – Der Alte Badfriedhof in Bad Boll ist kulturhistorisch besonders bedeutsam. Hier ruhen Mitglieder der weitläufigen, streng pietistischen  Familie Blumhardt ebenso wie Menschen aus aller Welt, die Anhänger der Buß- und Erweckungsbewegung Pfarrer Johann Christoph Blumhardts und dessen Sohn Christoph Friedrich Blumhardt waren. Der so genannte Blumhardt-Friedhof gilt aus Denkmalsicht als wichtiges Zeugnis des schwäbischen Pietismus. Weil ein Großteil der Grabmale verwittert und marode ist, müssen sie dringend restauriert werden. Das bezuschusst die Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit 50.000 Euro.

Johann Christoph Blumhardt (1805 – 1880) selbst ist auf Friedhof begraben, den er 1866 angelegt hatte. Bis 1918 wurde der Gottesacker belegt. Blumhardt, der mit der Heilung einer Junger Frau eine über die deutschen Grenzen hinaus wirkende Buß- und Erweckungsbewegung auslöste, übernahm 1852 das Kurhaus von Bad Boll und richtete ein Zentrum für Leib- und Seelsorge ein. In dieses Zentrum, einer Art „schwäbische Lourdes“, pilgerten wohlhabende Gäste aus ganz Europa. Sein Sohn Christoph Friedrich Blumhardt (1842–1919) führte das Kurhaus weiter, 1920 ging es in den Besitz der Herrenhuter Brüdergemeinde über.

Eingefasst ist der Friedhof mit einem Sockelmäuerchen und einer Eibenhecke. Darin finden sich 103 Gräber aus der ersten und zweiten Blumhardt-Generation sowie weitere ältere Grabsteine (1853 – 1864), die vom Boller Dorffriedhof dorthin gebracht wurden.

Auffallend sind die – zeituntypisch – schlicht gehaltenen Gräber, die die pietistischen Werte ausdrücken: Bescheidenheit, Zurückhaltung und Innerlichkeit. In zwei Bauabschnitten sollen nun insgesamt 142 Gräber gereinigt und restauriert werden. Finanzierungspartner sind die Klinik Christophsbad, Blumhardt-Nachkommen, die Gemeinde Bad-Boll, die Evangelische Akademie und die Blumhardt-Sozietät.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

51 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bisher in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Kurhaus Bad Boll GmbH