Denkmalstiftung fördert Instandsetzung der Nordfassade am ehemaligen Zeughaus in Villingen aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale

Artikel eingestellt am 16. Oktober 2019

Stuttgart/Villingen-Schwenningen – Einst Konvent, lange Zeughaus und heute Wohnhaus mit Wirtschaft: Das Gebäude direkt am Oberen Tor, dem Nordausgang der historischen Altstadt von Villingen, blickt auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück. „In seiner Fassade spiegeln sich die unterschiedlichen Nutzungsarten wider“, unterstreicht Prof. Dr. Rainer Prewo, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. „Hier entstand ein einmaliges Ensemble, das gerade in der ungewöhnlichen Kombination seiner Elemente erhaltenswert ist. Die Denkmalstiftung hat deshalb beschlossen, die Instandsetzung der Nordfassade am ehemaligen Zeughaus von Villingen mit 40.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale zu fördern.“

Bei den Villingern selbst sind vor allem das Restaurant Ratskeller und die Turmstube bekannt, die sich in der heutigen Zeit im Haus befinden. Die ältesten Teile des Gebäudes stammen jedoch bereits aus dem 13. Jahrhundert. Es schließt unmittelbar an das Obere Tor an und war seit jeher in die Stadtmauer integriert, die auf der anderen Seite des Gebäudes weiterführt. Von 1310 bis 1454 war hier ein Dominikanerinnen-Konvent zuhause. Aus dieser Zeit stammen fünf spitzbogige Maßwerkfenster, die unmittelbar unterhalb des ehemaligen Wehrgangs in die Nordfassade eingefügt wurden.

Bis 1745 diente der Bau als Zeughaus, beherbergte also das Waffenlager der Stadt. 1905 dann erfolgten charakteristische Umbauten: Die Nordseite erhielt zum Park hin einen zweigeschossigen Fachwerk-Erker als Vorbau, am Dach wurde ein Schmuckgiebel im Neorenaissancestil aufgesetzt. Besonders diese Elemente machen eine Restaurierung notwendig: Am Fachwerk des Erkers müssen abbröckelnde Putzeinsätze abgenommen und fachmännisch neu aufgebracht werden. Auch das Holz selbst muss ausgebessert und ergänzt werden. Darüber hinaus sind auch Arbeiten an Dachrinnen, Fallrohren und Fenstern dringend nötig, damit das ehemalige Zeughaus an dieser exponierten Stelle wieder als ein Schmuckstück zur Geltung kommen kann.

„Ein Baudenkmal wie dieses sollte unbedingt erhalten werden und ebenso weiterhin öffentlich genutzt werden“, betont Prof. Prewo. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstütze deshalb bewusst die Stadt Villingen-Schwenningen als Eigentümerin des Gebäudes bei der Fassadensanierung.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

51 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bisher in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Stadt Villingen-Schwenningen