Denkmalstiftung fördert Restaurierung historischer Holzrollläden der Neuen Villa Haux in Albstadt-Ebingen

Artikel eingestellt am 6. September 2019

Stuttgart/Albstadt-Ebingen – Die Neue Villa des Textilfabrikanten Friedrich Haux entstand 1908 auf seinem Firmengelände in Albstadt-Ebingen – ein Gesamtkunstwerk aus Historismus und Jugendstil, an dem innen wie außen sämtliche Details aufeinander abgestimmt waren. Auch die Rollläden gehörten dazu: Mit Lamellen aus weiß gestrichenem Kieferholz ließen sich die herrschaftlichen Sprossenfenster verdunkeln. Zwar sind die Rollläden noch alle erhalten, sie funktionieren jedoch nicht mehr. Um sie wieder instand zu setzen, unterstützt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die Eigentümer mit einem Zuschuss.

In der Blütezeit der Textilindustrie um 1900 herum florierte auch die Trikotagen-Fabrik Friedrich Haux & Cie. und expandierte in Ebingen in großen Schritten. Sie bestand bis 1988, ein großer Teil der Firmengebäude wird heute von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen genutzt. Das Wohnhaus der Familie Haux direkt daneben, als Alte Villa Haux bekannt, wurde 1907 in einer spektakulären Aktion auf Eisenbahnschienen auf die andere Seite der Gartenstraße versetzt, um Platz zu schaffen für die Neue Villa.

Mit einem annährend quadratischen Grundriss von rund 20 auf 20 Meter fiel die Neue Villa bedeutend größer und repräsentativer aus. Ihr Erscheinungsbild erinnert eher an ein Palais als an eine Villa. Die gewaltigen Fassadenflächen aus Naturstein sind durch einzigartige Bauornamente künstlerisch gekonnt aufgelockert und gegliedert, ohne überladen zu wirken.

Landeskonservatorin Prof. Dr. Ulrike Plate schreibt zur Charakterisierung dieses Denkmals: „Außen- und Innengestaltung wurden in erlesenen Materialien in höchster handwerklicher Präzision ausgeführt und sind bis ins kleinste Detail wie Beleuchtungskörper oder Tür- und Fensterbeschläge aufeinander abgestimmt. So bilden die vollständig erhaltenen, bauzeitlichen Rollläden der Villa durch die Gestaltung der Lamellen im geschlossenen Zustand die Gliederung der Fenster nach.“

Die hölzernen Rollläden sind derzeit allerdings vielfach beschädigt. Der Schutzanstrich auf den Lamellen aus Kiefernholz blättert ab, Jutegurte sind gerissen, Halterungen ausgebrochen und Rollläden in den ausstellbaren Führungsschienen verkantet. Durch eine behutsame Instandsetzung sollen Funktion und Aussehen wieder hergestellt und die Rollläden als Teil des Gesamtkunstwerks erhalten werden.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

51 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bisher in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: aswohnbau, Albstadt-Ebingen, U. Keller