Industriedenkmal wird zum Uhrenmuseum: 100.000 Euro für Junghans Terrassenbau in Schramberg

Artikel eingestellt am 2. August 2017

Stuttgart / Schramberg – Einst wurden in dem  spektakulären neunstufigen Terrassenbau am Steilhang von Schramberg die weltberühmten Junghans-Uhren gefertigt. Jetzt soll in das technische Denkmal von europäischem Rang ein Uhrenmuseum einziehen. Ein gebürtiger Unternehmer aus Schramberg hat sich aus Liebe zu seiner Heimatstadt entschlossen, dieses einzigartige Industriedenkmal nach den originalen Plänen instand setzen zu lassen und darin alle Uhren der Firma Junghans der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Dieses vorbildliche Engagement eines privaten Investors würdigt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg und unterstützt das Vorhaben mit 100.000 Euro – dank Mitteln der  Lotterie GlücksSpirale“ betonte Prof. Dr. Rainer Prewo, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags.

Bis zu 450 Mitarbeiter von Junghans waren in Spitzenzeiten in dem Terrassenbau mit der Montage von Taschenuhren, später von Armbanduhren beschäftigt. Der neunstufige Terrassenbau wurde 1916 bis 1918 nach den Plänen des Stuttgarter Architekten Philipp Arthur Manz (1861 – 1936) errichtet. Der bedeutendste Industriearchitekt im deutschen Südwesten plante die Anlage speziell so, dass die Arbeitsplätze der Uhrmacher durch eine optimale Tageslichteinstrahlung versorgt wurden. Für das Unternehmen galt der außergewöhnliche Funktionsbau mit seinen langen Fensterreihen und den verputzten Walmdachbauten als Prestigeobjekt. Heute gilt dieser einzigartige Terrassenbau als baukünstlerisch überzeugendes, international bedeutsames Industriedenkmal.

Nachdem die Firma Junghans ihre Produktion aufgegeben hatte, stand das Gebäude viele Jahre leer. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Landesdenkmalamt, dem ausführenden Architekten und dem Privatinvestor, der das technische Denkmal erworben hat, lässt ein zeitgeschichtlich spannendes Projekt erwarten – mit einem historischen Bezug zwischen dem hochkarätigem Gebäude und den Ausstellungsstücken, die einst darin gefertigt wurden.

Das Projekt ist zweifelsohne eine große finanzielle Herausforderung. Einerseits muss die historische Bausubstanz wieder denkmalgerecht in bauzeitlicher Architektur restauriert werden. Dabei geht es um  Panzerglasfenster, Parkettböden, bauzeitliche Geländer sowie Farbfassungen der originalen Putzoberflächen. Andererseits fallen auch Kosten für die Infrastruktur und die neue Nutzung an. Damit aber gelingt die Reaktivierung eines technischen Denkmals von europäischem Rang. Dieses herausragende Projekt zu unterstützen, dazu fühlt sich die Denkmalstiftung Baden-Württemberg verpflichtet.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. Prof. Prewo: „Weil die Sanierungskosten das Budget von privaten Bauherren oder Bürgerinitiativen oftmals übersteigen, fördert die Stiftung mit Sitz in Stuttgart denkmalgerechte Renovierungsmaßnahmen“.

34 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts allein im Jahr 2016 unterstützt. Seit ihrer Gründung hat sie mehr als 1.400 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Prof. Prewo betonte: „Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen“.

Foto: Architekturbüro Rapp-Bihlmaier, 78 713 Schramberg