Kirche Mariä Heimsuchung in Blaubeuren: Denkmalstiftung bewilligt 20.000 Euro für Renovierung

Artikel eingestellt am 10. September 2018

Stuttgart / Blaubeuren – Die Kirche Mariä Heimsuchung in Blaubeuren beherbergt bedeutende künstlerische Schätze: Sämtliche Wandflächen des Kirchenschiffs hat der renommierte Ulmer Künstler Wilhelm Geyer (1900 bis 1968), einer der wichtigsten Vertreter der religiösen Kunst des 20. Jahrhunderts, mit prächtigen biblischen Szenen bemalt. Mehr als 70 Jahre nach ihrem Entstehen ist eine Restaurierung und Auffrischung der wertvollen, jedoch renovierungsbedürftigen Meisterwerke nötig geworden, was mit einer Reinigung der gesamten Raumschale einhergeht. Die Denkmalstiftung unterstützt die Sanierung mit 20.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

„Ein solches Restaurierungsprojekt ist für die finanziell stark belastete kleine katholische Kirchengemeinde Blaubeuren besonders schwierig. Deshalb hat die Denkmalstiftung Baden-Württemberg diesen Förderbetrag bewilligt“, sagte Prof. h. c. Hermann Vogler, Geschäftsführer der Stiftung aus Stuttgart, bei der Übergabe des Zuwendungsvertrages.

Die Kirche Mariä Heimsuchung besticht durch einige Besonderheiten: Als erstes Gotteshaus am Ort wurde sie 1894/95 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Melchior Richard Raisch errichtet. Damals wuchs die katholische Gemeinde Blaubeurens aufgrund der Industrialisierung stark an. In Form einer romanischen Pfeilerbasilika überzeugt die späthistoristische Kirche außen mit klaren, reduzierten Formen und einem schlichten, unverputzten Äußeren. Innen hingegen präsentieren sich Chor und Apsis als gestalterische Höhepunkte des Baus mit den biblischen Wandmalereien von Wilhelm Geyer. Ihm ist es 1946 gelungen, seine Malereien dem neoromanischen Baustil des Gotteshauses anzupassen und seinen zeitgenössischen, expressiv-realistischen Malstil mit romanisch-byzantinischen Elementen zu kombinieren.

Für den bedeutendsten deutschen Glasmaler Wilhelm Geyer, dessen Fenster z. B. auch im Ulmer Münster und im Kölner Dom zu sehen sind, stellte der Auftrag in der Blaubeurer Kirche nach der NS-Zeit einen beruflichen Neustart und den Beginn einer eindrucksvollen Nachkriegskarriere dar, in deren Verlauf er zu einem der bedeutendsten deutschen Sakralkünstler aufstieg. Denn von den Nazis wurde Geyer als „entarteter Künstler“ mit einem absoluten Berufsverbot belegt. Zeitweise war Geyer sogar in Gestapohaft.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

33 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts allein im Jahr 2017 unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie mehr als 1.400 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. 60 Prozent davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Teresa Kolar M.A. Rest., Stuttgart