Klassizistische Beichtstühle der Stiftskirche in Bad Buchau werden restauriert – Denkmalstiftung bewilligt 30.000 Euro

Artikel eingestellt am 19. September 2018

Stuttgart / Bad Buchau – Einst haben reuige Sünder in den Beichtnischen der Stiftskirche St. Cornelius und Cyprianus den Priestern ihre Fehltritte anvertraut. Heute stehen die Beichtstühle leer. Als wertvolle kirchen- und kulturhistorische Zeugnisse gelten sie kunsthistorisch als bemerkenswerte Beispiele des frühen Klassizismus‘. Die mit Stuck und Skulpturen meisterhaft ausgestatteten Beichtstühle müssen jetzt dringend saniert werden. „Für die Katholische Kirchengemeinde von Bad Buchau ist die Restaurierung mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden. Deshalb beteiligt sich die Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit 30.000 Euro an den Ausgaben, die dem Denkmalschutz geschuldet sind“, sagte Erich Fürst von Waldburg-Zeil, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags.

Die acht harmonisch aufeinander abgestimmten  Beichtstühle entlang der Langhauswände sind durch ihre hochwertige künstlerische Gestaltung wichtige Ausstattungselemente des Kirchenraums. Eingebaut hat sie Michael Muxel aus dem Bregenzer Wald im Zuge der Neugestaltung der Stiftskirche in den Jahren 1767 bis 1773. Jeder Beichtstuhl ist dreiteilig aufgebaut: seitlich sind die offenen Beichtnischen mit ihren Rundbögen platziert, in der Mitte liegt jeweils die Priesterkammer. Ein besonderer Stellenwert gebührt den plastischen Ornamenten und dem bekrönenden Skulpturenschmuck: stuckierte Pinienzapfenaufsätze, geschnitztes Blumen- und Blattwerk sowie Tuchdraperien zeugen von meisterhaftem Handwerk, das die wesentlichen stilistischen Eigenschaften der Übergangsphase zwischen Rokoko und beginnendem Klassizismus wiederspiegelt. Eindrucksvoll sind auch die freiplastischen Stuckgruppen von heiligen Büßern auf den Beichtstühlen. Sie stammen von dem namhaften Künstler Joseph Christian (1706 bis 1777), der durch seine Bildhauerarbeiten an den Chorgestühlen der Klosterkirchen von Zwiefalten und Ottobeuren überregional bekannt wurde.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

33 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts allein im Jahr 2017 unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie mehr als 1.400 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. 60 Prozent davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Bild: Katholisches Verwaltungszentrum Riedlingen