Künftig Wohn- und Bürohaus: Denkmalstiftung fördert Instandsetzung der Wiebeltscheune in der historischen Altstadt von Villingen

Artikel eingestellt am 16. Oktober 2019

Stuttgart/Villingen-Schwenningen – Das Holz, so zeigen die Jahresringe, stammt aus dem Jahr 1605/06, die Grundmauern sind noch älter. Jetzt soll die sogenannte Wiebeltscheune im Herzen der Villinger Altstadt zu neuem Leben erwachen. Sie steht in zweiter Reihe hinter einem Wohn- und Geschäftshaus, als dessen Ökonomiegebäude sie früher diente. Nach langem Leerstand plant der neue Eigentümer, ein Architekt, nun den Umbau zu einem Wohnhaus mit Büroräumen – in enger Absprache mit dem Denkmalschutz, damit es weiterhin als Kulturdenkmal erkennbar bleibt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt ihn dabei mit einem Zuschuss.

„Die Wiebeltscheune besitzt nicht nur hohen Alters- und Seltenheitswert“, betont Prof. Dr. Rainer Prewo, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, „sie verkörpert auch einen Bautyp, der im Villinger Innenstadtbereich inzwischen selten geworden ist. In ihren Dimensionen ist sie für die Villinger Altstadt einzigartig. Umso erfreulicher ist der Umstand, dass sie jetzt mit moderner Nutzung wiederbelebt wird.“

Ihren gebräuchlichen Namen hat die Scheune von einem früheren Eigentümer des Gesamtgeländes, dessen Vorderhaus in der Bickenstraße steht. Bei dem ehemaligen Ökonomiegebäude im Hinterhof handelt es sich um ein freistehendes dreigeschossiges Gebäude aus massiven Bruchsteinmauern mit Fachwerk-Obergeschossen. Als handwerkstechnisch bemerkenswert gelten die hohe Dachwerkskonstruktion und die Stabbauwände im Obergeschoss, bestehend aus genuteten Ständern und eingelassenen Brettern. In seiner über 400-jährigen Nutzungsgeschichte wurde das Speichergebäude mehrfach umgebaut. Zahlreiche Bauelemente sind jedoch aus frühester Zeit erhalten. Dazu zählen rundbogige Sandsteintürrahmungen, historische Sandsteinplatten, Bodendielen und Treppeneinbauten.

Im Erdgeschoss, dem früheren Stallbereich, möchte der Eigentümer sein Architekturbüro einrichten. In den Obergeschossen sollen zwei Wohnungen entstehen, eine davon für den Eigentümer. Das Umbau- und Sanierungskonzept sieht vor, die Gebäudestruktur grundsätzlich zu erhalten, die Innenräume aber der modernen Nutzung anzupassen. Eine später eingebaute Mauer und eine Decke werden herausgenommen, zwei neue Zwischendecken eingezogen. Über einen neuen Haupteingang soll das Treppenhaus erschlossen werden. Als zweiter Fluchtweg wird eine Stahl-Holz-Konstruktion an der östlichen Giebelseite angebaut. Erhalten bleiben die typisch mittelalterlichen kleinformatigen Fensteröffnungen. Das Holztragwerk und die Bruchsteinwände werden instandgesetzt. Auch die historische Ausstattung und die Putze sollen restauriert werden.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

51 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bisher in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Ch. Kuberczyk, Konstanz