Russisch-orthodoxe Kirche wird restauriert: Denkmalstiftung unterstützt die Kirchengemeinde mit 80.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale

Artikel eingestellt am 28. September 2020

Stuttgart – Ihre religiöse und kulturhistorische Bedeutung reicht weit über Stuttgart hinaus: Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kathedrale der russisch-orthodoxen Gemeinde im Stadtbezirk Nord ist ein außergewöhnliches Kulturdenkmal. Jetzt soll sie innen und außen restauriert werden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt die Kirchengemeinde dabei mit einem Zuschuss von 80.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

„Die Russische Kirche steht wie kaum ein anderes Kulturdenkmal in Stuttgart für die engen Beziehungen des Königreichs Württemberg zu Russland und insbesondere zum Hof des Zaren im 19. Jahrhundert. Ich freue mich sehr, dass die russisch-orthodoxe Gemeinde in Stuttgart bis heute ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu uns und unserem Land hat“, betont Staatssekretärin Katrin Schütz, Kuratoriumsvorsitzende der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. „Sehr gerne fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die geplanten Restaurierungsarbeiten – dies umso mehr, als dass die Russische Kirche in diesem Jahr ihr 125jähriges Jubiläum feiern kann“.

Herzogin Wera, russische Adoptivtochter von König Karl I. und Königin Olga von Württemberg, hatte einst den Bau der Kirche angeregt. Der auffällige rote Backsteinbau an der Ecke Seidenstraße/Hegelstraße wurde vom Stuttgarter Architektenbüro Eisenlohr & Weigle entworfen und von renommierten Künstlern reichhaltig mit Wandmalereien und Ikonen ausgestattet. 1944 beschädigten Bombenangriffe die Kirche schwer. Ihre Kuppel und die Ikonostase – die ikonenverzierte Trennwand zum Altarraum – wurden später wiederaufgebaut. Jetzt sollen sowohl die Backsteinfassade mit ihren Sandstein-Verzierungen als auch der Innenraum umfassend instandgesetzt werden. Dabei werden die Wandmalereien, die Ikonen und die Ikonostase komplett konserviert und restauriert.

„Die gut vorbereiteten Arbeiten zeichnen sich durch einen behutsamen Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand aus“, ergänzt Staatssekretärin Schütz. „Für die vergleichsweise kleine russische Gemeinde wäre die Instandsetzung allerdings ohne Spenden und finanzielle Unterstützung nicht zu bewältigen.“ Die Kathedrale St. Nikolaus mit ihrem kompakten Erscheinungsbild zählt zu den letzten erhaltenen russisch-orthodoxen Kirchen, die um 1900 herum in Deutschland gebaut wurden.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 39 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bereits in diesem Jahr unterstützt, weitere stehen noch an. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen.

Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, Judith Knappe