Villa Räuchle in Pfinztal in neuem Gewand: Denkmalstiftung fördert Instandsetzung

Artikel eingestellt am 25. Juni 2019

Stuttgart/Pfinztal-Söllingen – Die herrschaftliche Villa Räuchle in Pfinztal hat eine ganz besondere Ausstattung. 1923 von den Ziegeleifabrikanten Gebrüder Räuchle auf dem werkseigenen Grund erbaut und mit Kontorräumen im Erdgeschoss und zum Wohnen im Obergeschoss genutzt, stand sie jetzt 30 Jahre lang leer. Deshalb wundert der desolate Zustand von Teilen der Originalausstattung nicht. Dass der Eigentümer das Gebäude nun von Grund auf behutsam und denkmalgerecht renoviert, das würdigt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit einem ansehnlichen Förderbetrag.

„Diese ganz besonders an der Denkmalpflege orientierte Sanierung mit vorbildlicher Sorgfalt auch im Detail sowie die enge Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt ist für unsere Stiftung ein wichtiger Grund, das Renovierungsprojekt zu unterstützen – zumal der Erhalt der Villa Räuchle allein schon aus heimatgeschichtlicher Sicht für unsere Stiftung ein wichtiges Förderkriterium darstellt“, sagte Prof. Dr. Rainer Prewo, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg bei der Übergabe des Zuwendungsvertrages an den Eigentümer.

Die Gebrüder Räuchle nahmen mit ihrer Ziegelei damals eine wichtige Stellung im kleinen Söllingen ein – ihnen ist auch ein Straßenname gewidmet. Auch wenn das großzügige Gebäude mit dem Walmdach und zwei Erkern mit seiner reduzierten Fassadengestaltung außen eher unprätentiös wirkt, offenbart es im Innern seine wahren Werte: die außergewöhnlich reiche Ausstattung ist unverändert erhalten geblieben – neben der originalen hölzernen Treppe zählen auch bauzeitliche Türen und Fenster mit Originalbeschlägen, teils ornamental gestaltete Heizkörperverkleidungen, Bodenbeläge und Fliesen, Stuck, bauzeitliche Tapeten, Tresor- und Kontoreinbauten dazu. Überaus selten sind die Linkrusta-Wandbeläge, die ab 1877 auch gerne in königlichen Residenzbauten eingebaut wurden und nur mit hohem finanziellem Aufwand instand zu setzen sind. Diese kostspielige, reliefierte, farbig gefasste Wandbekleidung aus linoleumähnlichem Material ist Ausdruck des Repräsentationsanspruchs der damaligen Bauherrschaft.

Nach der Instandsetzung will der Eigentümer im Obergeschoss sein Büro einrichten. Im Erdgeschoss und gegebenenfalls auch im Untergeschoss sollen Räume entstehen, die je nach Bedarf an Vereine und andere Nachfrager vermietet werden.

Der neue Eigentümer will das Haus am „Tag des Offenen Denkmals“ und für gelegentliche Führungen zugänglich machen – so hat auch die interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit, die Besonderheiten der ehemaligen Fabrikantenvilla Räuchle kennenzulernen.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

37 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts allein im Jahr 2018 unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie nahezu 1500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Bild: Klaus Kugele, Pfinztal