Wandmalereien werden gesichert: Denkmalstiftung fördert Innensanierung der St.-Veit-Kirche in Flein

Artikel eingestellt am 13. August 2019

Stuttgart / Flein – Weithin sichtbar auf einer Anhöhe im Ort gelegen, prägt die St.-Veit-Kirche das Bild der Gemeinde Flein schon seit Jahrhunderten. Die Lage hat ihren Grund: Wehr- und Stützmauern lassen noch heute erkennen, dass Kirche und Kirchhof einst als Burg genutzt wurden und den Ortsansässigen Zuflucht boten. Bekannt ist die Kirche für ihren Veitsaltar, ein gotisches Kruzifix und Wandmalereien im Grundstock des Turms, dem ältesten Gebäudeteil, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Für dringend notwendige Sicherungs- und Konservierungsarbeiten unterstützt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg die Evangelische Kirchengemeinde Flein mit 25.000 Euro.

Das derzeitige Kirchenschiff im neuromanischen Stil wurde in den Jahren 1841/42 errichtet. Damals riss man das bestehende gotische Schiff ab, ließ den Turm stehen und baute den neuen Kirchenraum um 90 Grad versetzt an. Seither wurde mehrfach umgebaut und renoviert. Aktuell steht die Renovierung der Innenschale an, die Erneuerung der Heizungsanlage sowie die Sicherung der Ausstattung, die als überregional bedeutsam eingestuft wird.

Besonders prunkvoll ist der Veitsaltar – ein spätgotischer Flügelaltar, der auf einem seiner Flügel mit 1514 oder 1517 datiert ist. Das farbig bemalte Schnitzwerk zeigt neben dem Heiligen Veit, dem Namenspatron der Kirche, und Szenen aus dessen Leben auch die Heilige Barbara sowie Papst Gregor I. Ein Taufstein in gotischem Stil ist ebenso erhalten wie ein kunstvoll gefertigtes hölzernes Kruzifix, das womöglich bereits im 14. Jahrhundert entstanden ist.

Neben diesen kunst- und kirchengeschichtlich bedeutsamen Ausstattungsgegenständen beherbergt die Fleiner Kirche auch Malereien an Wänden und Deckenbögen in ihrem ältesten Bauteil, dem Turm. Die ältesten davon stammen vermutlich aus dessen Entstehungszeit um 1430, gelten also als spätmittelalterlich. Neuere Untersuchungen ordnen die unterschiedlichen Malereien bis zu sechs Gestaltungsphasen zu. Im unteren Teil des Turmes, der früher als Chor genutzt wurde, finden sich sowohl unterschiedlich gestaltete Ornamentbänder als auch die Darstellung von Figuren und Szenen, wenngleich vielfach nur fragmentarisch erhalten. Im Deckengewölbe lässt sich ein Adler erkennen, das Symbol des Evangelisten Johannes. Die Sicherung und Konservierung dieses wertvollen Malereibestands ist auch aus denkmalpflegerischer Sicht dringend geboten, hätte jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde allein deutlich überstiegen.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.

51 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bereits in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1.500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Architekt Michael Scheerle, 74233 Flein