Fachwerk: Andreaskreuz und Feuerbock

Fachwerk ist nach gängiger Definition ein hölzerner Skelettbau, bestehend aus stehenden Pfosten und liegenden Balken, die zusammen ein Gerüst mit Versteifungen durch diagonale Streben ergeben. Vorformen dieser Hausbautechnik finden sich im Pfostenbau der Frühgeschichte.

Wir haben es insofern mit einer Konstruktionsweise zu tun, die sich von der Jungsteinzeit bis in die Zeiten des Jugendstils entwickelt. Sie ist eben auch sehr ökonomisch, denn die Materialien, vor allem Holzwaren meist am Ort verfügbar, ebenso die Füllmaterialien für die Gefache wie Lehm, Stroh, Natur- oder Ziegelstein. Fachwerk ist demnach eine so pragmatische wie prosaische Bauweise. Ihre notorische Verbindung mit „Romantik“ ist lediglich einer dieser Einfälle der Tourismusindustrie.

Wenn es überhaupt einen ernsthaften Zusammenhang zwischen Fachwerk und Romantik geben sollte, dann in Person des Marburger Bauhistorikers Carl Schäfer, der um 1890, in Zeiten der Romantik, angefangen hat, das Fachwerk zu erforschen. Er kam dabei auf die bis heute gängige regionale Unterscheidung zwischen niedersächsisch, fränkisch und alemannisch, wobei hier im Land, besonders in den ehemaligen Reichsstädten, das recht konstruktive alemannische Fachwerk vorherrscht. Erst nach Norden hin nimmt es mehr und mehr auch einen dekorativen fränkischen Gestus an. Mosbach in „badisch Franken“ etwa wäre so ein Gegensatz zum pragmatisch-einfachen Geislingen.

Unter den vielen Fachwerkfiguren und Begriffen sollte man auf jeden Fall das „Andreaskreuz“ nennen, eine x-förmige, rautenbildende Balkenverstrebung. Aus ihm entwickelte sich der vor allem im Fränkischen anzutreffende „Feuerbock“, mit gebogenen und reich verzierten Balken.

(Siehe Korrektur: wissen/baukunst/d-f-baukunst/fachwerk-nachzimmern/)

(Denkmalstimme_2_2008)

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