Philipp Jakob Manz (1861–1936)

Philipp Jakob ManzZu Beginn des 20. Jahrhunderts unterhielt Philipp Jakob Manz eines der größten deutschen Architekturbüros. In Stuttgart und seit 1905 auch in Wien entwarfen bis zu 100 Mitarbeiter seine meist imposanten und würdevollen Industriebauten. Manche ahmen gar Strukturen barocker Schlösser nach – wie aus Respekt gegenüber der neuen Macht Industrie. Am bedeutendsten dabei wohl die über Tuttlingen thronende Firma Aeskulap (1915).

Ähnlich bedeutsam sind die „Industriewerke Karlsruhe (IWK)“, 1915 begonnen und erst kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs fertiggestellt, damals eine der größten europäischen Munitionsfabriken, bombastisch geradezu mit 312 Metern Länge und zehn Lichthöfen für etwa 4500 Arbeiter – Dimensionen fast wie beim Mannheimer Schloss. Heute ist in der IWK ja das weithin bekannte Medienzentrum ZKM installiert.

Manz war eine solche Entwicklung nicht vorausgesagt. 1861 kommt er in Kohlberg bei Nürtingen unehelich zur Welt, tritt 1877 in Stuttgart eine Steinmetz- und Maurerlehre an und beginnt 1878 an der Kunstgewerkeschule zu studieren. Aber er fällt derart auf, dass ihn der dort lehrende Industriearchitekt Otto Tafel 1883 auf eine Amerikareise mitnimmt zum Studium neuer Fabrikbauten. „Time is money“ macht Manz nun zu seinem Motto: Bald wird er zum „Blitzarchitekten“.

1896 beginnt er mit dem Bau von Industrieanlagen, speziell für die im Württembergischen stark vertretene Textilbranche, und betreibt seit 1901 ein Büro mitten in Stuttgart, wo er alsbald über Württemberg hinaus plant und baut, etwa für Böhmen und Mähren, die Schweiz und Österreich oder Polen und Ungarn. Dieser unermüdliche Schaffer, der vor lauter praktiziertem Fleiß sogar den Studienabschluss versäumt, bringt es dann doch zu einer Art Abschlusstitel: 1912 ernennt ihn Württembergs König Wilhelm II. zum „Baurat“.

Von pietistischem Arbeitseifer geradezu besessen, als Mensch öffentlichkeitsscheu und unleidlich bis zum Jähzorn, stirbt Philipp Jakob Manz fast vergessen 1936. Der „Schwäbische Merkur“ würdigt ihn als „führenden Industriearchitekten“. Begraben liegt er auf dem Stuttgarter Pragfriedhof.

(Denkmalstimme_1_2015)

War dieser Artikel hilfreich?