Letzter klingender Zeuge der Durlacher Orgelbautradition: Denkmalstiftung unterstützt Instandsetzung der Hess-Orgel in der Pforzheimer Lutherkirche

Artikel eingestellt am 14. Juni 2021

Stuttgart/Pforzheim – In der hellen, weiß gestrichenen Lutherkirche von Pforzheim ist die Orgel ein Blickfang: Gegenüber des Eingangs schmiegen sich ihre Pfeifen in die Rundungen der Empore und umrahmen das große Buntglasfenster in der Mitte der Giebelseite. Zur technischen und klanglichen Instandsetzung des Instruments aus dem Jahr 1954 bewilligt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg jetzt einen Zuschuss von 12.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale.

„Diese Orgel ist nicht nur ein besonderer stilistischer Höhepunkt der Kirche, sondern zugleich das letzte Instrument der Orgelbaufirma Carl Hess aus Durlach, das noch in Betrieb ist“, betont Roland Bürkle, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. „Es ist damit der letzte klingende Zeuge der Durlacher Orgelbautradition, die bis ins späte 18. Jahrhundert zurückreicht und 1961 endete.“

Verschiedene Mängel, teilweise charakteristisch für die Nachkriegszeit, machen die Orgel der Lutherkirche nun reparaturbedürftig: Die Elektrik ist störungsanfällig, nicht mehr sicher und schlecht zugänglich, teilweise wurden minderwertige Materialien verbaut, und die Luftansaugung aus dem Treppenraum wirkt sich negativ auf den Klang aus. An einigen Stellen gibt es Windverluste, auch mit Temperaturschwankungen hat das Instrument zu kämpfen.

Während der größte Teil der Orgel im Original erhalten bleibt, sollen die Elektrik erneuert und ein zusätzliches Werk mit fünf Registern eingebaut werden. Darüber hinaus werden sämtliche Pfeifen und Teile generalüberholt und die Windanlage instandgesetzt. „Zwar wurde eigens ein Förderverein gegründet, doch die Finanzierung der notwendigen Arbeiten überfordert die relativ kleine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde erheblich“, ergänzt Roland Bürkle. „Die Denkmalstiftung unterstützt ihre Bemühungen zur Instandhaltung dieses Kulturdenkmals deshalb gerne.“

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 11 Projekte unterstützt die Stiftung bürgerlichen Rechts bereits in diesem Jahr, zahlreiche weitere werden folgen.

Seit ihrer Gründung 1985 hat sie annähernd 1.600 Vorhaben mit rund 63 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Ev.-Luth. Kirchengemeinde, Pforzheim