Gewusst wo? Denkmale im Land Nr.: 4/2019

Artikel eingestellt am 9. November 2019

Die Juden hatten in der heute gesuchten (Reichs-) Stadt zwar eine respektable Rechtsvertretung, zur Gründung einer selbständigen Gemeinde kam es allerdings erst 1924. Zuvor war ihnen am Ort ein Bestattungsrecht im Christenfriedhof versagt geblieben, sie begruben ihre Toten deshalb in einiger Entfernung auf einem großen Waldfriedhof. Noch ohne eine eigene Gemeinde zu haben, legten sie dann 1850 ihr „Haus für die Ewigkeit“ am Rand des gesuchten Orts an.

Die Anordnung der Grabsteine bei unserem Rätselobjekt ist gänzlich verschieden gegenüber anderen Gottesäckern dieser Glaubenszugehörigkeit. Sie sind angelegt nach dem Muster der pietistischen Kolonie einer nahen Schwarzwaldgemeinde. Die Konzeption hierbei: Die Leichensteine sollen alle gleiche Form, Größe und Stellung haben. Sie liegen deshalb fast auf der Erde und sind nur an ihrem oberen Ende leicht hochgestellt, damit das Regenwasser ablaufen kann. Die Grunddisposition unseres gesuchten Gottesackers geht auf die pietistische Herrnhuter Brüdergemeinde des Grafen Zinzendorf zurück.

Goethe bejahte dessen Konzeption für die letzte Stätte: „Das eine Gefühl einer endlichen allgemeinen Gleichheit – wenigstens nach dem Tode – scheint mir beruhigender als dieses eigensinnige starre Fortsetzen unserer Persönlichkeiten, Anhänglichkeiten und Lebensverhältnisse.“

In welcher alten (Reichs-) Stadt nun liegt der gesuchte „Gute Ort“, in dem kein Grabstein den anderen überragen darf und der kaum mehr einen Namen im weichen Sandstein erkennen lässt?

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