12pm229_200429-A-VZ328-0018.jpg

Herzogliche Pirschgänge in Böblingen sind Denkmal des Monats ­November 2020

Artikel eingestellt am 4. November 2020

Stuttgart/Böblingen – Als Zeugnis landesherrlicher Jagdkultur sind die ehemaligen herzoglichen Pirschgänge im Böblinger Wald ein ganz besonderes historisches Dokument. Bundesweit ist nur noch in Thüringen eine ähnliche Anlage überliefert. Nach langen Vorbereitungen sind die noch erhaltenen Abschnitte der Gänge und Unterstände aus dem frühen 18. Jahrhundert inzwischen instandgesetzt worden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernennt die Böblinger Pirschgänge jetzt zum Denkmal des Monats November.

Angelegt wurden sie im Jahr 1737 auf Geheiß Herzog Carl Alexanders von Württemberg, der die damalige Jagdbegeisterung vieler Aristokraten teilte. Auf einer Länge von 635 Metern ließ er mannshohe Gänge in den Waldboden des Schönbuchs graben. Diese wurden mit Quadersteinen ausgekleidet und zu einem großen Teil überwölbt. Darin konnten sich die adligen Jäger dann über verschiedene Abzweigungen dem begehrten Rotwild unbemerkt nähern.

Noch rund 130 Meter dieser Steinbauten sind erhalten und im vergangenen Winterhalbjahr gesichert worden, die übrigen Gänge zeichnen sich noch als mehr oder weniger abgeflachte Gräben im Gelände ab. Wand- und Gewölbe
flächen sind gereinigt und teilweise neu verfugt, die einsturzgefährdeten Stellen stabilisiert worden.

Frei zugänglich sind die historischen Jagdanlagen allerdings nicht. Sie befinden sich auf einem Gelände der US-Streitkräfte, das dem Bund gehört. Allerdings ist angedacht, dass es künftig mehrmals im Jahr geführte Besichtigungen geben soll. Dafür muss sich jedoch zuallererst die Corona-Lage bessern.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 48 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts bereits in diesem Jahr unterstützt. Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.500 Vorhaben gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen.
Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Copyright Landkreis Böblingen