Wilfried Beck-Erlang ( 1924–2002)

Baumeister Wilfried Beck-ErlangEinflussreich, unkonventionell, innovativ – Wilfried Beck-Erlang war ein außerordentlicher Architekt der Moderne, der die Architektur der 1960er und 1970er Jahre entscheidend mitgestaltet hat.

In Reutlingen aufgewachsen, begann er 1943, Luftfahrttechnik zu studieren. Nach Kriegsende wurde das Fliegen zum Hobby, Beck-Erlang studierte Architektur und machte sich 1951 mit einem eigenen Büro selbständig. In den nächsten knapp 40 Jahren realisierte er zahlreiche Wohnhäuser, mehrere Kirchen, das Opernhaus in Bonn, die Mineralwassertherme in Bad Cannstatt, zwei Planetarien, große Hotels, Versicherungsgebäude und vieles mehr.

Erstaunlich viele seiner Gebäude, darunter einige frühe Wohnhäuser, sind noch im Originalzustand erhalten. Die Eigentümer scheinen von deren Qualität überzeugt zu sein – obwohl die Architektur jener Zeit ja gerade häufig zur Disposition steht. Sein eigenes Wohnhaus, 1964-66 gebaut, ist exemplarisch für sein Schaffen: Auf einem verwinkelten Grundstück in Hanglage entstand ein Gebäude über sieben Ebenen mit vielen Treppen und offenen Grundrissen. Voller Experimentierfreude setzte er auf Sichtbeton und modernste Bautechnik. Die unterschiedlich angeordneten Würfel lassen das Gebäude wie eine bewegte Großplastik wirken.

1970 erhielt Beck-Erlang von der Stadt Stuttgart den Auftrag, im Schlossgarten ein Planetarium zu bauen. Nach der Mondlandung war das Interesse am Weltall riesig; Beck-Erlang inszenierte ein Gebäude, das mit der sternförmigen Tragkonstruktion um den zentralen Kuppelsaal einerseits die technische Seite der Astrophysik thematisiert, mit der Gestaltung als Pyramide andererseits die Faszination für den Himmel als magischen Ort betont.

Für das Marktdreieck in Waiblingen wurde um 1975 im Altstadtkern ein Quartier mit alten Fachwerkhäusern abgerissen. Das umstrittene Einkaufszentrum, das im Gefüge der Altstadt lange Zeit als Fremdkörper empfunden und 2008-10 gründlich verändert wurde, markierte einen Wendepunkt im Leben Beck-Erlangs.

Seine Entwürfe fanden immer weniger Anklang. Aber Beck-Erlang konterte: „Je stärker ein … Bauwerk von den … tonangebenden Experten, angefeindet, gemieden oder übergangen wird, desto eher kann dies als Indiz für Innovation gelten.“

Als Stadtplaner hatte Beck-Erlang eine eindeutige Position: Er wandte sich gegen Industriegürtel um die Städte, gegen den Umbau zur autogerechten Stadt.

(Denkmalstimme_3_2023)

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