Wohnungen und Büro statt Institutsräume: Villa Zundel in Tübingen ist Denkmal der Monate August und September 2022

Artikel eingestellt am 2. August 2022

Stuttgart/Tübingen – Viele Jahre diente sie einem wissenschaftlichen Institut als repräsentatives Domizil, jetzt ist die Villa Zundel in Tübingen weitgehend in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden. Nach dem denkmalschonenden Konzept des Eigentümers wird hier Raum für Wohnen und Arbeiten verwirklicht, die Renovierungen sind nahezu abgeschlossen. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernennt die Villa Zundel zum Denkmal der Monate August und September.

Erbaut wurde das Anwesen mit dem Namen „Berghof“ 1921 für den Kunstmaler Georg Friedrich Zundel und seine Ehefrau Paula Bosch, die Tochter des Fabrikanten Robert Bosch. Am Hang hoch über Lustnau, das später ein Stadtteil von Tübingen wurde, wollten die beiden als Selbstversorger im Einklang mit der Natur leben und folgten damit den Reformideen ihrer Zeit.

Noch heute ist die Villa Zundel, die aus zwei miteinander verbundenen Hauptgebäuden besteht, von einer regelrechten Parklandschaft umgeben, an deren Rand die Ökonomiegebäude stehen. Auf Initiative des heutigen Eigentümers und Enkel des ursprünglichen Bauherrn sind das Wohnhaus und das mit einem überdachten Gang verbundene Atelier in großen Teilen wie früher wiederhergestellt worden. Die Institutseinbauten wurden dazu entfernt und die zahlreichen, noch existierenden Ausstattungselemente aus der Bauzeit neu aufbereitet. Parkettböden und Täfelungen zählen dazu ebenso wie Heizungsverkleidungen, eine bemalte Kassettendecke und ein barock anmutender Deckenspiegel sowie zahlreiche Türen und Fenster.

Im zweigeschossigen Wohnhaus findet jetzt wieder Wohnen statt, im eingeschossigen Atelier nebenan sind neben einem Büro ebenfalls Wohnräume entstanden. Mit ihren Tuffsteinmauern über Sockeln aus grob behauenem Sandstein zeugen die beiden rechtwinklig zueinander stehenden Gebäude vom Stil ihrer Zeit. In der Gestaltung finden sich zahlreiche Jugendstilelemente, etwa durchlaufende Umrisslinien und ein reicher Figurenschmuck, der sich im Park fortsetzt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat die Instandsetzungen mit einem Zuschuss aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale gefördert.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 22 Projekte unterstützt die Stiftung bürgerlichen Rechts bereits in diesem Jahr, zahlreiche weitere werden folgen.

Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1.600 Vorhaben mit annähernd 64 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: J. Zundel, Tübingen