Stuttgart/Mössingen – Zwei langgestreckte, zweigeschossige Gebäude an der Ofterdinger Straße in Mössingen dienten Anfang des 20. Jahrhunderts als Unterkünfte für Mitarbeiter einer Weberei. Die insgesamt acht Werkswohnungen sollen nun für moderneres Wohnen hergerichtet werden, ohne ihre Historie zu verleugnen. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt die privaten Eigentümer mit einem Zuschuss von 60.000 Euro für die Fensterinstandsetzung.
„Der Reutlinger Architekt Markus Zimmermann hat sich bei diesen Walmdachhäusern mit den holzverschindelten Fassaden, den variierten Fensterformen mit Klappläden und den ruhigen Dachlandschaften samt geschweiften Fledermausgauben deutlich am damaligen Heimatschutzstil orientiert“, erklärt Dipl.-Ing. Wolfgang Riehle, Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg bei einem Termin vor Ort: Charakteristische Formen und Gestaltungselemente regionalen Hausbaus sollten aufgegriffen werden, ohne historisierend zu wirken.
„Damit findet sich hier ein architektur- und industriegeschichtlich bezeichnendes Beispiel für eine kleine Werkssiedlung des frühen 20. Jahrhunderts in der Region Neckar-Alb“, so Riehle weiter. Sie liefere zudem authentische Einblicke in die Wohn- und Lebenskultur von Arbeitnehmern in patriarchalisch strukturierten Unternehmen jener Zeit. Das rückwärtig platzierte einstöckige Waschhaus mit seinen umlaufenden Arkaden ist zwischen den beiden Wohngebäuden hindurch sichtbar und rundet den Anblick der 1908 gebauten Anlage ab.
Bei der Gesamtinstandsetzung der beiden Mössinger Gebäude, die einst zum Filialwerk der Pfullinger Buntweberei Gebrüder Burkhardt auf der anderen Straßenseite gehörten, soll die Aufteilung der Wohnungen beibehalten werden. Insbesondere die hölzerne Innenausstattung mit Wandverkleidungen, Decken, Treppen und Türen soll restauriert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Fenstern: Historische Exemplare sollen erhalten bleiben, fehlende nach originalen Plänen nachgebildet werden.
Denkmalstiftung Baden-Württemberg
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 29 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts im vergangenen Jahr unterstützt.
Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.750 Vorhaben mit rund 71 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.
Foto: privat