Stuttgart/Laufenburg – An die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert eine monumentale Adler-Figur aus dem Jahr 1928, die am Laufenburger Rheinufer auf dem sogenannten Kriegerfelsen thront. Mit ihren mehr als sieben Metern Flügelspannweite gilt sie als eine der größten erhaltenen Galvanoplastiken. Wind und Wetter haben zu Rissen in der Hohlfigur geführt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt die Stadt Laufenburg bei den Restaurierungskosten mit einem Zuschuss von 142.000 Euro.

„Fälschlicherweise wird das Monument immer wieder mit dem Nationalsozialismus assoziiert, dabei handelt es sich um eine Stiftung der Laufenburger Ehrenbürgerin Mary Codman“, betont Roland Bürkle, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Die vermögende Amerikanerin ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann am Hochrhein nieder und wurde als Witwe zur Wohltäterin der Stadt. Die nach ihr benannte Codman-Anlage – ein historischer Park, zu dem auch der Adler gehört – steht heute unter Denkmalschutz. „Sie ist ein wichtiges Zeugnis der Stadtgestaltung und Gartenkunst in der Zwischenkriegszeit und natürlich der Stadtgeschichte Laufenburgs“, ergänzt Bürkle.

Die Figur selbst hat der Maler und Bildhauer Curt Liebich, ein Mitbegründer der Gutacher Malerkolonie, entworfen. Hergestellt wurde sie in den WMF-Werkstätten in Geislingen, die seinerzeit führend waren in der Fertigung von Galvanoplastiken. Bei dieser Technik wird das Metall – in diesem Fall Kupfer – nicht gegossen, sondern in einem elektrochemischen Verfahren in dünnen Schichten auf eine Form aufgebracht. Die dabei entstehende Hohlfigur enthält im Inneren ein Stützgerüst.

Der Laufenburger Adler ist mit hochgereckten Schwingen dargestellt, in seinen Fängen hält er ein liegendes goldenes Kreuz. An seinem steinernen Podest steht die vom Rhein aus lesbare Inschrift „Pro Deo, Fide et Alemannia“ („Für Gott, Glauben und Alemannien“). „Sie liest sich als Ausdruck des zeittypischen Verständnisses von Glauben, Heimat und Opfergedenken“, erklärt Bürkle.

Risse in der Adler-Plastik haben sich bereits vor einigen Jahren gezeigt. Sie wurde deshalb mit Gurten gesichert. Ende August gelang es, das drei Tonnen schwere Kunstwerk per Kran von seinem Felsen zu heben. Wie groß und umfangreich der Restaurierungsaufwand tatsächlich ist, muss sich jetzt in der Werkstatt eines Fachbetriebs zeigen. Ziel ist, den Adler wieder aufzustellen, bevor im kommenden Jahr die Elektrifizierungsarbeiten an der benachbarten Bahnstrecke abgeschlossen sind.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr über 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. Über 30 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts in diesem Jahr bereits unterstützt, weitere Anträge liegen vor.

Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.700 Vorhaben mit mehr als 71 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Stadt Laufenburg