Das Alte Schloss in Krauchenwies, Landkreis Sigmaringen ist Denkmal des Monats Januar 2007

Artikel eingestellt am 20. Dezember 2006

– Der erste Abbruch eines Schlosses in Baden-Württemberg konnte vermieden werden; trotz Hausschwamm gelang die Rettung –

An der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg wurde das Schloss Krauchenwies Ende des 16. Jahrhunderts (1595-97) errichtet. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt es seine Gestalt als frühklassizistische Dreiflügelanlage und wurde Residenz von Fürst Karl Friedrich zu Hohenzollern-Sigmaringen (1769-1785). Dabei wurde der Ostflügel nach Süden verlängert. Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf der Westseite ein einstöckiger, hölzerner Saal angebaut.
Vom Alten Schloss ging die Funktion als Residenz auf das 1828-1832 in unmittelbarer Nähe errichtete Landhaus über.

Danach begann eine wechselvolle Geschichte des Gebäudes, die beinahe zum Verlust des Schlosses geführt hat. Zunächst noch Wohnung hochgestellter Persönlichkeiten, dann Unterkunft einer Nähschule und heimatloser deutscher Soldaten. Ab 1954 längere Zeit bis 1979 als „Malteser Kinderheim Schloss Krauchenwies“ der Schönstatter Schwestern. Danach waren hier vietnamesische Flüchtlinge und deutsche Heimkinder untergebracht. Zuletzt diente das Alte Schloss ab 1981 dem Bildungszentrum der Bundesfinanzverwaltung als Unterkunft. Anschließend stand es jahrelang leer.
Diese verschiedenartigen Nutzungen und der Leerstand haben ohne grundlegende Erneuerung zum Verfall des Schlosses geführt, wozu auch die direkt an dem Gebäude entlang führende vielbefahrene B 311 beitrug.

Wer sich als Schlossbesitzer nicht mehr zu helfen weiß, beantragt den Abbruch. So auch in Krauchenwies im Jahr 2002, was zum ersten Abbruch eines Schlosses in Baden-Württemberg geführt hätte.
In einer vorbildlichen Rettungsaktion haben die staatliche Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg den Eigentümer dafür gewonnen, zu retten, was noch zu retten ist. Dafür wurden Kosten von über 600.000,- Euro aufgewendet, wovon der Eigentümer und die beiden Stiftungen jeweils zwischen 90.000,- und 100.000.- Euro und die staatliche Denkmalpflege beinahe 320.000,- Euro aufbrachten.
Zwar wurden vom Hausschwamm befallene oder sonst unrettbare Teile des Schlosses abgebrochen. Immerhin ist aber die ursprüngliche Gestalt der Dreiflügelanlage erhalten, ja sogar wieder hergestellt. Allerdings wartet das Schloss darauf, aus seinem „eingemotteten“ Zustand wieder erweckt zu werden. Erst dann, und das wird wohl erst nach Verlegung der B 311 der Fall sein, kann hoffentlich gesagt werden: Ende gut, alles gut.

Architekt: Dipl.-Ing. Johann Grau, Ingenieurbüro für Bauwesen, Hauptstr. 39, 74321 Bietigheim

Bild: Manuel Heinemann