Die ehemalige Siechenkapelle in Geislingen-Altenstadt

Artikel eingestellt am 1. Januar 2013

„Denkmal des Monats“ Januar 2013:
Die ehemalige Siechenkapelle in Geislingen-Altenstadt, Landkreis Göppingen

Die Siechenkapelle ist Restbestand einer 1398 erstmals erwähnten Siechenhaus-Anlage, die 1811 abgebrochen wurde. Diesem Schicksal entging die Siechenkapelle im Jahre 1993 mit knapper Not. Wollte doch der ehemalige Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland, das nur noch durch die Straßenbauverwaltung fehlgenutzte Gebäude beseitigen. Durch ein Verwaltungsgerichtsverfahren konnte dieses Ansinnen abgewendet werden. Die Stadt Geislingen erwarb das Anwesen daraufhin für den symbolischen Betrag von einer D-Mark.

Die Kapelle, ein spätgotischer Saalbau, weist qualitätvolle spätgotische Wandmalereien mit einem Passionszyklus, einem Weltgericht, sowie einer Auferstehungsszene sowie interessante Baumerkmale mit Nischen, Fenster- und Türöffnungen auf. Es handelt sich somit um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, das ein seltenes Dokument einer vergangenen Fürsorgeeinrichtung mit kunsthistorischem Rang darstellt.

Der Erhaltung der Kapelle nahm sich dann eine mittlerweile gegründete Initiative des Kunst- und Geschichtsvereins Geislingen an. Im Jahre 1993 konnte so zunächst der Bestand gesichert werden. Bereits seinerzeit hat die Denkmalstiftung Baden-Württemberg mit einer Zuwendung in Höhe von 60.000,- DM tatkräftige Hilfe geleistet. Allerdings drohte die Kapelle in den Folgejahren wieder Schaden zu nehmen, weil jegliche Nutzung, die zum Erhalt eines solchen Bauwerks unerlässlich ist, fehlte.

Unterstützt durch viel weiteres bürgerschaftliches Engagement des Kunst- und Geschichtsvereins hat die Stadt Geislingen schließlich die Erhaltung und Sicherung der Kapelle durch eine Sommernutzung betrieben. Dort sollen künftig Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen stattfinden. Hierzu waren Einbauten, vor allem ein Holzboden, eine Stromversorgung sowie Verglasungen notwendig. Von den Gesamtkosten von rund 50.000,- EUR hat die Denkmalstiftung angesichts des enormen bürgerschaftlichen Engagements durch Spenden und Eigenleistungen des Vereins von 20.000,- EUR die Kapelle erneut mit 15.000,- EUR gefördert. Am 21. Oktober letzten Jahres konnte dann die Einweihung für die künftige Sommernutzung gefeiert werden.

Aber noch sind künftig neue Pläne in der Siechenkapelle umzusetzen. Dabei geht es letztlich um eine Restaurierung der erhaltenen Reste der wertvollen Fresken. Diese wurden im Jahre 2012 von Studenten der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart erfasst und kartiert. Mittel- und langfristig soll für die Wandmalerei ein stufenweises Restaurierungsprogramm erarbeitet werden.