Stuttgart/Bad Saulgau-Moosheim– Das dunkle Fischgrätparkett in der Gaststube erzählt genauso die Geschichte unzähliger Besucher wie die Holzdielen im Stock darüber: Seit seiner Erbauung 1840 bis ins Jahr 1965 war der „Adler“ Dorfgasthaus von Moosheim. Nach Jahrzehnten des Leerstands und fünf Jahren Restaurierungsarbeit unter neuen Eigentümern werden jetzt abermals Gäste bewirtet. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernennt das wiederbelebte historische Gebäude im Zentrum des Ortes zum Denkmal des Monats Juni.
Eine denkmalerfahrene Architektin und ein Restaurator haben den langsam vor sich hinverfallenden Gasthof aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Gemeinsam haben sie die Geschichte des Adlers rekonstruiert, Schichten früherer Umbauphasen freigelegt und sich schließlich für eine künstlerische Konservierung von Räumen und Ausstattung entschieden – neben Instandsetzungen an Dach, Fachwerk und Fassaden.
Zum neuen Nutzungskonzept gehört, das Haus wieder für Gäste zu öffnen und ihm eine neue Rolle im Dorfleben zu geben. Seit September hat das Café im Erdgeschoss dienstags und sonntags geöffnet, es wird auch Mittagstisch serviert. Der kleine Laden im Nebenraum, aus dem einmal ein Mini-Nahversorger mit regionalen Produkten werden soll, ist noch im Aufbau begriffen. Und die beiden barrierearm konzipierten Ferienwohnungen benötigen noch Genehmigungen, die im Lauf des Jahres erwartet werden. Dann können Gäste bis in Kleingruppengröße auch im Haus übernachten.
Zwei Räume im Obergeschoss können schon jetzt für Veranstaltungen, Kurse oder Seminare genutzt werden. Bereits während der Umbauphase fanden regelmäßig Kunst und Kultur ihren Platz im Adler. Künftig lässt sich auch das ganze Haus für Events verwenden, einschließlich des Gewölbekellers, in dem früher das Bier der Hausbrauerei lagerte.
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat die Sanierungsarbeiten der privaten Eigentümer mit einem Zuschuss von 50.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale unterstützt.
Denkmalstiftung Baden-Württemberg
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr über 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 14 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts in diesem Jahr unterstützt, weitere Anträge liegen vor.
Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.700 Vorhaben mit mehr als 71 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.
Foto: C. Wagner, Meersburg