Stuttgart/Langenargen – Das Ziegelwalmdach des stattlichen Anwesens, keine 100 Meter vom Nordufer des Bodensees entfernt, wurde bereits denkmalgerecht instandgesetzt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt nun den zweiten Bauabschnitt der Sanierung eines historischen Bauernhauses in Langenargen mit einem Zuschuss von 40.000 Euro.

Die ältesten der 6000 Tonziegel, mit denen das Dach eingedeckt war, erwiesen sich als handgeschöpfte Dachpfannen, die mehr als 400 Jahre alt sind. Das passt zum Baujahr des Hauses in Langenargen, das dendrochronologisch auf das Jahr 1530 datiert wird. Dessen bauhistorische Kategorisierung als „gestelztes bäuerliches Einhaus“ beschreibt die ursprüngliche horizontale Anordnung der Räume entsprechend ihrer jeweiligen Funktion. Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschaftsräume, in den darüberliegenden Etagen die Wohnräume.

Es handelt sich um eines der ältesten privat genutzten Gebäude, die rund um den Bodensee erhalten sind. Nach dem Tod seiner letzten Bewohnerin stand es lange Zeit leer. Die Erbin, eine Enkelin der letzten Bewohnerin, lebt und arbeitet als Forscherin in den USA. Ihr ausdrücklicher Wunsch ist es, die historische Substanz des Hauses so gut wie möglich zu erhalten. Dafür wurde in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege ein Gesamtkonzept für die Sanierung erstellt.

Der erste Bauabschnitt umfasste das Dach und den Einbau einer Dachgeschosswohnung. Im zweiten Bauabschnitt, der nun umgesetzt wird, ist die komplette Sanierung der Haupträumlichkeiten im Erdgeschoss und in der ersten Etage zusammengefasst. Die traditionelle Nutzung der verschiedenen Stockwerke wird sich in dem Objekt anschließend wiederfinden: Im Erdgeschoss entstehen Gastronomie- oder Geschäftsräume, darüber eine Wohnung.

Um den historischen Bestand an Fenstern, Fensterläden, Türen, Breitdielen und Treppen zu erhalten, sind umfangreiche Arbeiten notwendig. Auch mehrere bauzeitliche Holzdecken werden gereinigt, restauriert und freigelegt. Einige haben sich über die Jahrhunderte stellenweise abgesenkt, so dass die Holzkonstruktion repariert, ergänzt und wiederhergestellt werden muss. In den Außenwänden der Traufseiten wird das Fachwerk repariert und statisch gesichert.

„Ein Abriss und Neubau wäre gerade in unmittelbarer Nähe zum Bodenseeufer sicherlich die wirtschaftlich lukrativere Variante für die Eigentümerin gewesen“, sagt Dr. Stefan Köhler, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Denkmalstiftung Baden-Württemberg bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags vor Ort. Umso höher sei es ihr anzurechnen, dass sie sich für den Erhalt des Baus mit seinem hohen dokumentarischen Wert für die Siedlungs- und Baugeschichte entschieden habe. „Wir freuen uns, dass die Denkmalstiftung Baden-Württemberg einen Beitrag leisten kann, damit dieses Haus gemäß aller denkmalpflegerischen Belange behutsam saniert und dauerhaft instandgesetzt wird“, so Dr. Stefan Köhler.

Denkmalstiftung Baden-Württemberg

Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 46 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts in diesem Jahr bereits unterstützt.

Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1.700 Vorhaben mit weit über 69 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.

Foto: Helmuth Scham BFF, Konstanz