Stuttgart/Dörzbach – Das Untere Tor von Dörzbach – auch als Gerbertor bekannt – entstand 1665. Es war eines von drei Toren, um in den Ort zu gelangen. Während seiner Sanierung entdeckte man 2022 im Keller eine vergessene jüdische Mikwe, ein Tauchbad für Frauen zur rituellen Reinigung. Inzwischen wird das Torhaus als Ferienhaus genutzt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernennt das Untere Tor zum Denkmal des Monats November.
Die Mikwe wurde von 1834 an genutzt, in einer Zeit wachsenden jüdischen Gemeindelebens. Sieben hölzerne Stufen führten in ein Tauchbecken, das aus dem benachbarten Bach gespeist wurde. Mit einem Holzofen ließ sich der Raum heizen. Als die Gemeinde zurückging, wurde das Becken im Jahr 1907 verfüllt und der Raum später als Keller genutzt. Das Reinigungsbad wurde vergessen und erst 2022 wieder freigelegt. Seit 2026 ist es restauriert und beim Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet. Eine Neugestaltung erfolgte dieses Jahr vom Künstler Tuviah Christ ben Avraham aus Stuttgart.
Das Torhaus selbst wurde 1665 von der damaligen Ortsherrschaft erbaut. „Herr Johan Christoff Von Eib“ ist mit seinem Wappen im Holz verewigt. Die alte Klepsauer Straße führte durch eine Durchfahrt im Erdgeschoss in den Ort hinein. Als später die Mikwe eingerichtet wurde, war das Gebäude bereits in zwei separate Wohnungen mit unterschiedlichen Eigentümern unterteilt. Mittlerweile lässt sich das gesamte Torhaus als Ferienwohnung mieten.
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat zunächst die Instandsetzung des Torhauses gefördert und in einem zweiten Bauabschnitt die Restaurierung der Mikwe.
Denkmalstiftung Baden-Württemberg
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr über 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 42 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts in diesem Jahr unterstützt.
Seit ihrer Gründung 1985 hat sie über 1.800 Vorhaben mit annähernd 73 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.
Foto: Jörg Waterstraat