Martin Gropius (1883–1969)

Ein Jahrhundertarchitekt, ein radikaler, kompromissloser Neuerer, der vor achtzig Jahren wichtige Spuren auch hier im Land hinterlassen hat: 1927 am Stuttgarter Weißenhof und 1927/28 in der Karlsruher Dammerstocksiedlung.

Seine beiden im Bombenkrieg zerstörten Häuser Nr. 16 und 17 (Bruckmannweg 4 und 6) auf dem Weißenhof galten wegen ihrer Machart als absolut avantgardistisch, besonders die Nummer 17 „durch ein vollständig trockenes Montageverfahren mithilfe industriell herstellbarer Einzelteile, die auf der Baustelle lediglich montiert werden”, schreibt er darüber. Alles in klein, wie auch bei der Dammerstock-Siedlung, wo er die Gesamtleitung innehatte: „das Endziel der Siedlung ist also die Schaffung von gesunden praktischen Gebrauchswohnungen, die dem sozialen Standard der Durchschnittsfamilie von heute entspricht.” Ein sozialer Ethos, der sein ganzes Werk durchzieht.

Walter Gropius wird 1883 in Berlin als Spross einer bekannten Baumeisterfamilie geboren, studiert in München und seiner Heimatstadt, wo er 1908 Mitarbeiter von Peter Behrens wird, wie er ja ein Weißenhof-Architekt. 1910/11 entsteht das Fagus-Werk in Alsfeld bei Hannover. Mit seinem kubischen, glasverkleideten Corpus eines der Schlüsselwerke des Neuen Bauens wie dann übrigens auch sein Dessauer Bauhaus (1925/26), dessen Direktor er bis 1928 war. Gropius, im Übrigen auch Industriedesigner (Autokarosserien und sogar eine Diesellokomotive), Innenarchitekt und Möbelentwerfer, war unter den Nazis in Deutschland chancenlos, emigrierte nach London und ging 1937 in die USA, wo er das Bauhaus heimisch machte, wie übrigens auch sein großer Weißenhofkollege Mies van der Rohe.

Seit den Fünfzigerjahren dann wieder häufig in seinem Geburtsort Berlin, entwirft er 1957 einen neungeschossigen, nach Süden hin konkav geöffneten Wohnblock fürs Hansaviertel, eine Art Spätblüte des Neuen Bauens. – Walter Gropius stirbt 1969 in Boston.

(Denkmalstimme_1_2007)

War dieser Artikel hilfreich?