James Stirling (1926–1992)

Monumental, verspielt, funktional, ironisch, minimalistisch – James Stirling ist einer der ungewöhnlichsten, populärsten und umstrittensten Architekten des 20. Jahrhunderts. Der 1926 geborene Brite studierte von 1945 bis 1950 in Liverpool und eröffnete 1956 gemeinsam mit James Gowan ein eigenes Büro, das er ab 1971 mit Michael Wilford weiterführte.
Von Anfang an liebte Stirling den großen Maßstab: Wohnanlagen, Universitätsgebäude, Museen.
Das Einfamilienhaus war seine Sache nicht. Mit seinen ungewöhnlichen Projekten setzte er neue Maßstäbe, die ihm wichtige Architekturpreise bescherten. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1992 erhob ihn die Queen in den Adelsstand.
Sir James‘ Weg von den technisch-geometrischen Formen der 1960er Jahre, vom Realismus und Brutalismus frühen Bauten zur verspielten Postmoderne, zeichnete sich durch einen lustvollen Umgang mit architektonischen Vorbildern und Versatzstücken aus.
Stirlings Freude am Zitat kannte keine Grenzen, war aber weit mehr als das epigonale Kopieren vergangener Zeiten. Seine Gebäude gleichen Skulpturen, deren elementare geometrische Formen historische Bautypen in die Moderne hinein weiterentwickeln. Funktionale Schlichtheit hatte bei ihm ausgedient, mit unerschöpflicher Kreativität kombinierte er den ganzen formalen Reichtum der Baugeschichte in immer neuen, aber nie beliebigen Mehrdeutigkeiten. So entstanden Gebäude, in denen sich ein kollektives architektonisches Gedächtnis widerspiegelt, die in ihrer Verspieltheit sehr menschlich sind.
Eines der berühmtesten Bauwerke des eigenwilligen Briten ist zweifellos die Staatsgalerie Stuttgart, die Stirling zwischen 1979 und 1984 mit seinem Teampartner Michael Wilford realisierte. Das Haus wurde so sehr zu einem Klassiker der Museumsarchitektur, dass sich die Erbauer die Kritik gefallen lassen mussten, die Architektur würde der Kunst die Schau stehlen. Die Staatsgalerie Stuttgart gilt als Paradebeispiel postmoderner Architektur.
Stirling selbst sah sich hingegen nie als Vertreter der Postmoderne, sondern als ein Erbe des Klassizismus, wollte aber den architektonischen Purismus und die starren Formeln der Moderne überwinden und hatte offensichtlich Freude an seiner kreativen, metaphorischen und barocken Architektursprache. (bach)