Stuttgart/Pforzheim – Die Herausforderungen waren groß: Vor seiner Restaurierung musste ein Jugendstil-Gebäude in Pforzheim erst neu gegründet und an einer Ecke frisch aufgebaut werden. Mittlerweile sind die Wohnungen denkmalgerecht instandgesetzt und wieder vermietet. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernennt das Gebäude in der Lisainestraße 6 und 8 zum Denkmal des Monats April.
Das Doppelwohnhaus gehört zu einer sechsteiligen Stadtwohnhausgruppe mit Natursteinfassade, die das Lisaineplätzchen im Rodviertel im Süden Pforzheims prägt. Erbaut wurden die Häuser 1909 nach Plänen des Pforzheimer Architekten Josef Roos für den Schreinermeister Karl Mayer. Neben den Jugendstil-Elementen an der Fassade prägen die Mansardendächer und die den historischen Vorbildern nachgebildeten Fenster das Aussehen der Gebäude.
Der Hang zur Nagold hin war dem Gebäude beinahe zum Verhängnis geworden. Auf instabilem Untergrund rutschte die Nordostecke immer mehr ab und lag zuletzt einen Drittel Meter tiefer. Mit fast 60 Bohrpfählen aus Beton und Stahl, die tiefer als 11 Meter in den Untergrund reichen, wurde das Haus schließlich stabilisiert sowie die Ecke abgebrochen und neu aufgebaut.
Im Treppenhaus und den Wohnungen sind große Teile der historischen Ausstattung erhalten geblieben. So wurden etwa Holztüren und mehrteilige Eingangselemente, Lamberien und Heizkörperschirme, Wandfliesen und Terrazzobeläge behutsam restauriert. Installationen, Brand- und Schallschutz sowie die Heizung wurden dagegen auf einen modernen Stand gebracht.
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat die Arbeiten mit einem Zuschuss von 150.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale unterstützt.
Denkmalstiftung Baden-Württemberg
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr über 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 29 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts im vergangenen Jahr unterstützt.
Seit ihrer Gründung 1985 hat sie weit über 1.750 Vorhaben mit rund 71 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.
Foto: Winfried Reinhardt, Ispringen