Hilde Axster-Trappmann (1921–2006)
Das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau in Karlsruhe ist eines der umfassendsten Architekturarchive in Deutschland. Seine Bestände reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Personenverzeichnis des Archivs umfasst 248 Namen. Sechs davon sind Frauen, eine von ihnen ist Hilde Axster- Trappmann.
1940 arbeitete die 19-Jährige als technische Zeichnerin bei Babcock Maschinenbau in Oberhausen, von 1942 bis 1947 studierte sie Architektur in Karlsruhe und Dresden.
Bis 1960 war sie mehr oder weniger auf Wanderschaft: Alle zwei Jahre wechselte sie das Büro und manchmal auch den Kontinent. Ihre unterschiedlichen Anstellungen führten sie nach Südafrika und nach Brasilien. Zwei Jahre lang arbeitete sie für Egon Eiermann. Sie war am Bau der Matthäuskirche in Pforzheim mit ihren Wabenfenstern und den Kunststeinen aus Trümmersplitt ebenso beteiligt wie am Wiederaufbau der Berliner Gedächtniskirche. Axster-Trappmann berichtet, wie sie wieder und wieder neue Varianten erarbeiten mussten, um die Turmruine in das neue Bauwerk zu integrieren. Zu ihren Aufgaben bei Eiermann gehörte auch der Deutsche Pavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel, ein Projekt, mit dem symbolisch auch Deutschlands Abkehr vom Faschismus bewiesen werden sollte.
1960 ließ sich Hilde Axster-Trappmann in Pforzheim nieder und arbeitete dort in verschiedenen Büros, viele Jahre als freie Mitarbeiterin. Strenge Eleganz, eine klare Formensprache und der minimalistische Ansatz im Material zeichnen ihre Bauten aus – typisch für die Architektur der Nachkriegszeit. 1972 plante sie ihr eigenes Haus, 1993 erhielt sie für das Wohnhaus der Familie Fink in Pforzheim den Hugo-Häring-Preis. 2022 beschloss der Gemeinderat in Eutingen gegen den Rat des städtischen Gestaltungsbeirats, das Gemeindehaus mit Kindergarten abzureißen: Die Stahlkonstruktion mit den Sichtbetonstützen und der großzügigen Verglasung, die Hilde Axster-Trappmann 1960 entworfen hatte, galt als nicht mehr zeitgemäß. Das Gebäude wird als Teil einer Wanderausstellung des BDA mit dem schönen Titel „Gefährdete Arten“ zum Beispiel für den leichtfertigen Abriss wichtiger architektonischer Positionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (bach)