Oscar Bloch (1881-1937) und Ernst Guggenheimer (1880-1973)

Von der verspielten Landhausvilla bis zur Neuen Synagoge – das Stuttgarter Büro Bloch & Guggenheimer hat über 40 Jahre lang die jeweils neuesten Entwicklungen der Architektur realisiert.

Baumeister Oscar Bloch
Oscar Bloch
Ernst Guggenheimer,
Ernst Guggenheimer

Die beiden Kommilitonen Oscar Bloch und Ernst Guggenheimer verzichten 1909 nach ihrem Examen an der Technischen Hochschule Stuttgart auf eine Laufbahn als Baubeamte und machen sich mit einem gemeinsamen Büro selbständig. Inspiriert vom Heimatstil Theodor Fischers entwerfen sie zunächst Einfamilienhäuser mit malerischen Erkern, Türmchen und Rundbogenfenstern.

Mit dem Bau des jüdischen Waisenhauses in Esslingen, das heute als Theodor-Rothschild-Haus den Verein für Jugendhilfe beherbergt, gelingt ihnen der Durchbruch zum führenden Architekturbüro, vor allem für jüdische Bauherren. Es sei „ein weiträumig entwickeltes, barockdurchströmtes Bauwesen (…), das (…) ein ausgereiftes Beispiel für derartige Anlagen zu werden verspricht“, schwärmt die „Allgemeine Zeitung des Judentums“. In den 1920er Jahren greifen sie die Ideen des Bauhauses auf: Ihre Stadthäuser mit ineinander verschachtelten Kuben, großzügigen Fensterflächen und Terrassen sind noch heute von zeitloser Eleganz. In der Caesar-Fleischlen-Straße bauen sie eine kleine Siedlung mit sieben Wohnhäusern, in Stuttgart-Heslach entsteht die Arbeitersiedlung „Eiernest“.

Weil Oscar Bloch seine Schweizer Staatsangehörigkeit nie aufgegeben hat, bleiben die beiden Architekten zunächst von den schlimmsten Repressalien des nationalsozialistischen Regimes verschont, erhalten jedoch keine Zulassung zur Reichskammer für Bildende Künste. Sie können deshalb nur noch für jüdische Auftraggeber arbeiten. Ihre letzten gemeinsamen Werke sind eine jüdische Schule, die nötig geworden war, weil jüdische Kinder keine andere Schule mehr besuchen durften, und der Erweiterungsbau einer jüdischen Frauenklinik in Heilbronn.

1937 stirbt Oscar Bloch an den Folgen einer Blinddarmoperation, und Ernst Guggenheimer verliert mit dem Kompagnon auch jeden Schutz vor den Nationalsozialisten. Er schlägt sich als Bautagelöhner und Friedhofsgärtner durch. 1939 lässt sich seine protestantische Frau von ihm scheiden und zieht mit den beiden Söhnen ins Tannheimer Tal jenseits der österreichischen Grenze.

Guggenheimer überlebt die Shoah, weil ein SS-Arzt ihn 1943 durch eine Krankschreibung vor der Deportation bewahrt. Er taucht unter.

Nach dem Krieg erhält er den Auftrag zum Neubau der Stuttgarter Synagoge. In den schlichten Kubus aus hellem Naturstein setzt er die Tora-Tafeln ein, die er nach der Reichspogromnacht aus den Trümmern der alten Synagoge geborgen hatte. (bach)

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