Josef (1874–1947) und Adolf Graf

Baumeister Josef und Adolf GrafDie beiden badischen Architekten Adolf Graf und Josef Graf sind sich vielleicht nur einmal begegnet: 1924 beauftragte die Kongregation der Franziskanerinnen von Erlenbad Adolf Graf mit dem Bau eines neuen Konventgebäudes, heute eine der schönsten Klosteranlagen Süddeutschlands.

Er entwarf ein großzügiges Anwesen in historisierender Architektur. Anscheinend wuchsen aber während der Planung Zweifel an Gestaltung und Organisation, und man zog das Bauamt Karlsruhe Zurate. Josef Graf, Regierungsbaumeister, Professor der Großherzoglichen Baugewerkeschule und bautechnischer Referent beim badischen Justizministerium, überarbeitete den Entwurf. Historisierenden Formen setzte er die klare Organisation des Baukörpers mit funktionaler Raumaufteilung entgegen. Die Gleichzeitigkeit dieser beiden Stilhaltungen ist auch nach dem Umbau des Klosters zu einer Seniorenresidenz heute noch erlebbar.

Von Adolf Graf ist außer dieser Arbeit nur wenig bekannt; 1910 hatte ihn seine Heimatgemeinde Achern wohl mit der Bauleitung des Krankenhausneubaus beauftragt.

Josef Graf (1874–1947) hingegen machte eine respektable badische Baukarriere. Zunächst arbeitete er in Freiburg, ging 1908 nach Donaueschingen. Dort hatte ein Großbrand mehr als 300 Gebäude vernichtet, an deren Wiederaufbau sich Graf beteiligte. Trotz der Eile, mit der neue Häuser für die vielen Obdachlosen entstanden, gelang es ihm, städtebauliche Akzente zu setzen. In einem Aufsatz schreibt er, ihm sei „an der damals modernen Form des Jugendstils und an einer malerischen Lösung, die an die besten Bilder mittelalterlicher Städte erinnert“ gelegen gewesen.

Neben zahlreichen Rat-, Schul- und Forsthäusern baute Josef Graf vor allem Kirchen und kirchliche Einrichtungen wie die Herz-Jesu-Kirche in Rastatt, das Augustinus-Heim in Ettlingen und 1928 die Kirche St. Elisabeth in Karlsruhe: Ende der 1920er Jahre waren die finanziellen Mittel so knapp, dass er sich mit einem einfachen Stahlbetonskelettbau behalf. Diese „Notkirche“ sollte später durch einen Kirchenneubau ersetzt werden. Aber nichts ist so beständig wie ein Provisorium: Das Gebäude wird heute noch genutzt. 

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