Atlant

Nach der griechischen Mythologie war der Titan Atlas dazu bestimmt, das Himmelsgewölbe zu stemmen. Als bauplastische Tragefigur kommt er bereits in antiken Tempeln vor. Mit der Renaissance wird er wiederentdeckt und beginnt oft, die Rolle von Pilastern und Hafbsäulen zu übernehmen, sei’s an Palastfassaden, in Treppenhäusern, aber auch als kleiner „Lastenträger“ an Kaminen oder Schränken. Die große Zeit kommt dann im Barock, wo Atlanten, vor allem in den Bauten Fischer von Erlachs und Lucas von Hildebrandts, die Prager und Wiener zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Staunen versetzen. Seinen Namen „Riesenbau“ erhielt denn auch der 1704 bis 1716 von Johann Friedrich Nette errichtete östliche Flügelbau des Ludwigsburger Schlosses nach den vier Atlanten, die dort das Treppenhaus heben. Die Titanen auf unserem Bild stemmen den Balkon eines Stuttgarter Bürgerhauses aus dem späten 19. Jahrhundert. Es sind sogenannte Hermesatlanten, deren Oberkörper aus sich nach unten verjüngenden Wandvorsprüngen hervorwachsen.
Den Atlanten verwandte Figuren sind die Karyatiden, nach den griechischen Tänzerinnen aus Karyä benannt, Mädchengestalten in langen Gewändern mit einem korbähnlichen Kopfaufsatz, auf dem sie anstelle rein funktionaler architektonischer Stützen Gebälk, Balkone oder Erker tragen können. In der Architektur des Historismus treten sie gern als Fassadenschmuck auf.

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