Der Verein beim gemeinsamen Arbeiten am Denkmal

Bürgerpreis 2026

Logo des Vereins HerrenzimmernDer mit 10 000 Euro dotierte Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg geht 2026 an den Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern. Nicole Razavi, Kuratoriumsvorsitzende der Denkmalstiftung, wird den Preis am 22. Oktober feierlich überreichen. Gewürdigt wird damit das bereits vier Jahrzehnte währende Engagement des Vereins, der sich dem Erhalt und der öffentlichen Nutzung der Burgruine Herrenzimmern verschrieben hat.

Die Burg Herrenzimmern wurde im 11. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Überregional bedeutsam ist die dort vor mehr als 400 Jahren verfasste Zimmersche Chronik, die von Graf Froben Christoph von Zimmern niedergeschrieben wurde. Dafür griff er auf schriftliche Quellen zurück, die sich in Bibliothek und „Kunst- und Wunderkammer“ der Burg befanden.

Heute sind von der einst als uneinnehmbar geltenden Burg über einem Seitental des Neckars ein Rundturm, Umfassungen des einstigen Saalbaus und Teile der Ringmauer erhalten. Die Burg gilt als exemplarisches Zeugnis für den Typus eines repräsentativen Adelssitzes: Auf einen steinernen Unterbau war eine Art Fachwerkhaus aufgesetzt.

Nach dem Aussterben des Zimmerschen Adelsgeschlechtes verkauften die Schwestern des letzten männlichen Nachkommens die Burg am 12. Mai 1595 an die Stadt Rottweil, 1810 kaufte die Gemeinde Herrenzimmern sie für 1700 Gulden.

Damals war die Burg als Gasthaus genutzt, verfiel aber zusehends. Die Gemeinde nutzte das heruntergekommene Schloss nur mehr als Steinbruch.

Seit vielen Jahren kümmert sich jedoch der Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg um Sicherung und öffentliche Zugänglichkeit der Ruine. Seit dem ersten Bauabschnitt im Jahr 2007 steuerte die Denkmalstiftung Baden-Württemberg insgesamt 110 000 Euro bei. So konnten zunächst die Südwand, anschließend das Kellergewölbe, die nördliche und östliche Ringmauer und Teile der Oberburg saniert werden. 2015 wurde eine neue Zuwegung angelegt und eine Spindeltreppe zur Erschließung der Anlage errichtet.

Obwohl die Gemeinde Bösingen heute Eigentümerin der Ruine ist, ging die Bauunterhaltspflicht 2012 auf den Geschichts- und Kulturverein Herrenzimmern über. Eine große Verpflichtung – zugleich drückt dies aber auch ein hohes Maß an Vertrauen in die ehrenamtlich engagierten Vereinsmitglieder aus. Sie organisieren alle zwei Jahre ein Mittelalterfest. Kriegsvolk, Gaukler, Handwerker und Künstler sind zu Speis und Trank geladen. Die von Besuchern entrichtete „Wegzollspende“ fließt in den Erhalt der Ruine. Ebenso von Vereinsmitgliedern bewirtschaftet ist das „Burgstüble“ und in der Burgkapelle finden gelegentlich Trauungen statt.

All dies dient dazu, Mittel für den Erhalt der Burgruine zu generieren und zugleich die Ortsgeschichte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, was nicht zuletzt das Verständnis für die Belange des Denkmalschutzes fördert.

Trotz aller finanzieller Unterstützung beruht der Erfolg des Vereins auf den im Ehrenamt erbrachten Leistungen. „Genau solches Engagement fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit ihrer Gründung im Jahr 1985“, sagt Roland Bürkle, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Die Entscheidung des Vorstands, den 2001 ins Leben gerufenen Bürgerpreis in diesem Jahr an den Verein aus Herrenzimmern zu verleihen, passe ausgezeichnet zum Leitspruch der Denkmalstiftung: „Bürger retten Denkmale.“

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