Hallenkirche, Hallenchor

Die Hallenkirche ist zwar eine mehrschiffige Langhauskirche wie die Basilika, aber im Gegensatz dazu sind bei der Hallenkirche die Schiffe gleich hoch. Dadurch wird das Mittelschiff nicht durch den bei der Basilika üblichen Obergaden belichtet, denn hier kann eben wegen der gleichen Höhe aller Langhausteile das Licht auch durch die Seitenschiffe einströmen.

Die Hallenkirchen-Idee ist das Bestreben nach räumlicher Vereinheitlichung und gestalterischer Ruhe als Reaktion auf die oft verwirrende Raumaufteilung spätromanischer Basiliken mit ihren Ost- und Westchören, den vielen Apsiden und dazu noch den östlichen und westlichen Querschiffen. Auch der Chor wird nun als Hallenchor in das Raumgefüge mit einbezogen und verliert so seinen Nischencharakter. Hallenchor und Hallenkirche gelangen in der Spätgotik zur vollen Entfaltung. Profundestes Beispiel im Land ist, namentlich auch wegen des Hallenchors, die Hl. Kreuzkirche in Schwäbisch Gmünd (ab 1351), bekanntlich ja eine Schöpfung der Parler.

Äußerlich leicht erkennbar sind die Hallenkirchen an ihrem mehr quadratischen Grundriss und dem das gesamte Langhaus bergenden Dach. Der Typus Hallenkirche ist zwar schon seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar, seine „Blüte“ erlebt die Spezies aber erst im 15. und frühen 16. Jahrhundert. In Süddeutschland und Obersachsen dabei mit einer so späten Ausformung, dass die Kunstwissenschaft dafür den Begriff der „deutschen Sondergotik“ erfand. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Ausprägung der Kirche zur Halle mit einem Emporenumlauf, der den Chor mit einbezog. Aus dem Typus Hallenkirche entwickelt sich schließlich das Wandpfeilerschema der Vorarlberger Schule etwa in St. Peter (Hochschwarzwald).

(Denkmalstimme_4_2010)

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